Der Drucklüfter (Überdruckbelüftungsgerät, ÜBG) ist eines der effektivsten Taktik-Tools moderner Brandbekämpfung. Er bläst Frischluft in ein verrauchtes Gebäude – und schafft dadurch Sicht, senkt die Temperatur und erleichtert die Suche nach Personen.
Wie funktioniert die Überdruckbelüftung?
Prinzip: Ein Motorlüfter wird vor einem Zugang (Haustür) positioniert und bläst Außenluft ins Gebäude. Der entstehende Überdruck drückt Rauch und Brandgase über eine gegenüberliegende Öffnung (Fenster, zweite Tür) heraus.
Technische Daten (typischer Motorlüfter)
| Parameter | Wert |
|---|---|
| Luftmenge | 20.000–60.000 m³/h (je nach Gerät) |
| Antrieb | Benzinmotor oder elektrisch (E-Lüfter) |
| Gewicht | 30–60 kg |
| Aufstellposition | 3–5 m vor dem Eingang (Konuswirkung) |
Wann einsetzen?
- Nach Löschung: Entrauchung für Nachlöscharbeiten und Begehung
- Vermisstensuche: Sicht im Rauch verbessern
- Treppenhaus-Belüftung: Fluchtwege freihalten während Innenangriff
- Gefahrstofflagen: Gasverdrängung aus Kellern
Taktische Regeln für die Überdruckbelüftung
Die ÜBG-Taktik ist klar geregelt — Fehler können das Feuer anfachen statt löschen. Die wichtigsten Regeln:
- Erst löschen, dann lüften: Überdruckbelüftung erst einsetzen, wenn der Brand unter Kontrolle ist oder ein Atemschutztrupp gleichzeitig vorgeht
- Öffnungskonzept: Nur EIN Zuluft-Eingang (Drucklüfter) und EIN definierten Abluft-Ausgang öffnen. Mehrere Öffnungen neutralisieren den Effekt
- Drucklüfter-Abstand: Gerät 3–5 m vor der Türöffnung platzieren, damit der Luftkegel die gesamte Öffnung erfasst (Konuswirkung)
- Reihenfolge: Drucklüfter starten → Abluftöffnung öffnen → nicht umgekehrt (sonst Rückstau)
Elektrische vs. Benzin-Drucklüfter: Vor- und Nachteile
| Typ | Vorteile | Nachteile |
|---|---|---|
| Benzin-Drucklüfter | Autark, hohe Luftmenge, weit verbreitet | Abgase, Lärm, Brandgefahr in explosiver Atmosphäre |
| Elektro-Drucklüfter | Emissionsfrei, leiser, für Innenangriff geeignet | Stromversorgung nötig, meist geringere Luftmenge |
| Batterie-Drucklüfter (Akku) | Mobil + emissionsfrei, neueste Generation | Teuer, Akkukapazität begrenzt |
Moderne BFs setzen zunehmend auf Akku-Drucklüfter — besonders für die Verwendung in Tiefgaragen, Kellern oder Gebäuden mit Gas-Installations-Risiko, wo Benzinmotoren wegen Zündgefahr ausgeschlossen sind.
Häufige Fragen zum Drucklüfter
Kann man mit dem Drucklüfter auch löschen?
Nein — der Drucklüfter löscht nicht, er verdrängt Rauch und Brandgase durch mechanische Luftströmung. Das Löschen erfolgt durch Wasser oder andere Löschmittel. Der Drucklüfter verbessert die Bedingungen für den Innenangriff, aber er ersetzt ihn nicht.
Warum darf man den Drucklüfter nicht bei offenem Brand einsetzen?
Frischluft enthält Sauerstoff — und Sauerstoff ist der Brandunterstützer. Bei einem noch aktiven Feuer würde Sauerstoffeintrag das Feuer anfachen, Ausbreitung beschleunigen und Atemschutzkräfte gefährden. Erst löschen (Feuer unter Kontrolle), dann lüften.
Wie lange dauert die Entrauchung mit dem Drucklüfter?
Abhängig von Gebäudegröße und Abluftöffnung: Ein normales Einfamilienhaus (ca. 200 m²) ist mit einem modernen Drucklüfter (60.000 m³/h) in 3–8 Minuten entraucht. Tiefgaragen oder große Hallen können 15–30 Minuten dauern.
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