Werkfeuerwehr: Aufgaben, Unterschied zur BF & Überblick

Eine Werkfeuerwehr ist eine betriebliche Feuerwehr, die von einem Unternehmen oder einer Einrichtung unterhalten wird. Sie ergänzt — oder ersetzt in Teilen — den öffentlichen Brandschutz auf dem Betriebsgelände. In Deutschland gibt es rund 600 Werkfeuerwehren, von Chemieriesen bis hin zu Flughäfen.

Was ist eine Werkfeuerwehr?

Werkfeuerwehren werden von Unternehmen errichtet und betrieben, die aufgrund ihrer Gefährdungslage (z. B. Chemie, Petrochemie, Atomkraft, Flughafen) von der Behörde dazu verpflichtet werden. Rechtsgrundlage sind die Landesfeuerwehrgesetze und die Industrierisikobestimmungen.

Unterschied zur Berufsfeuerwehr

MerkmalBerufsfeuerwehrWerkfeuerwehr
TrägerKommunale/staatliche BehördePrivatunternehmen / Betreiber
FinanzierungSteuern / öff. HaushaltUnternehmensbudget
BeamtenstatusJa (Verbeamtung)Nein (Angestellte)
EinsatzgebietGesamtes StadtgebietBetriebsgelände (+ Unterstützung BF)
SpezialisierungBreitHoch (z. B. Chemie, Aviation)
GehaltBesoldung A7–A16Tarifvertrag (oft TVöD-ähnlich)
Dienstunfall-AbsicherungBeihilfe / HeilfürsorgeBerufsgenossenschaft (BG RCI o.ä.)

Aufgaben einer Werkfeuerwehr

  • Brandbekämpfung auf dem Betriebsgelände
  • Technische Hilfeleistung bei Unfällen
  • Gefahrgutabwehr (Leckagen, Explosionen, Chemieunfälle)
  • Erster Rettungsdienst bis zum Eintreffen des regulären RD
  • Vorbeugender Brandschutz (Begehungen, Schulungen)
  • Unterstützung der öffentlichen Feuerwehr bei Großschadensereignissen

Bekannte Werkfeuerwehren

  • BASF Ludwigshafen (eine der größten in Europa)
  • Bayer Leverkusen
  • Volkswagen Wolfsburg
  • Frankfurt Airport (Fraport)
  • Evonik, Covestro, Lanxess
  • Kernkraftwerk-Feuerwehren

Wann ist eine Werkfeuerwehr Pflicht?

Nicht jedes Unternehmen braucht eine eigene Werkfeuerwehr — aber viele sind gesetzlich verpflichtet:

SituationPflicht?Grundlage
Schwere Störfallbetriebe (Seveso III)JaBImSchG, Störfall-VO
Flughäfen ab Cat. 7 (ICAO)JaLuftSiG, ICAO Annex 14
KernkraftwerkeJaAtomG
Industrieanlagen mit Sonderrisiko (Einzelfall)Auf AnordnungLandesfeuerwehrgesetz
Standard-Gewerbepark, BürokomplexNein

Wie ist eine Werkfeuerwehr aufgebaut?

Größere Werkfeuerwehren sind wie kleine Berufsfeuerwehren organisiert:

  • Feuerwehrabteilung: Hauptamtliche Beamte oder Angestellte im Schichtdienst (24/48h oder 12/24h)
  • Freiwillige Betriebsfeuerwehr: Zusätzliche Werksangehörige, die ehrenamtlich ausgebildet sind — Verstärkung bei Großlagen
  • Brandschutzbeauftragte: Nicht-operative Sicherheitsverantwortliche in Abteilungen
  • Fahrzeugflotte: Je nach Risiko — Löschfahrzeuge, Sonderfahrzeuge (CSA, Crash-Tender), Rettungsmittel

Häufige Fragen zur Werkfeuerwehr

Wie viele Werkfeuerwehren gibt es in Deutschland?
Ca. 1.000 anerkannte Werkfeuerwehren — darunter ca. 250 mit hauptamtlichen Kräften (Berufswerkfeuerwehren) und ca. 750 mit überwiegend freiwilligen Betriebsfeuerwehrkräften. Die größten Standorte (BASF, Bayer, Fraport) beschäftigen jeweils 300–600 hauptamtliche Kräfte.

Darf eine Werkfeuerwehr außerhalb des Werksgeländes eingesetzt werden?
Grundsätzlich nicht ohne besondere Regelung. Im Katastrophenschutz können Werkfeuerwehren per Gesetz zu überörtlicher Hilfe herangezogen werden (§ 25 FSHG NRW). Einige große WFs helfen bei Nachbarunfällen auf freiwilliger Basis — rechtliche Grundlage: öffentlich-rechtliche Vereinbarung mit der Gemeinde.

Wie anerkannt ist eine Stelle bei der Werkfeuerwehr für spätere BF-Bewerbungen?
Sehr anerkannt — WF-Erfahrung wird in Bewerbungen positiv bewertet, insbesondere bei Spezialkenntnissen (CBRN, Flugzeugbrand). Das Höchstalter muss aber noch erfüllt sein. Viele BFs bevorzugen erfahrene WF-Kandidaten gegenüber reinen Quereinstiegern.

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