Feuerwehr-Abkürzungen von A bis Z: Das große Glossar
Einsatz & Taktik · 30. Juni 2026

Feuerwehr-Abkürzungen von A bis Z: Das große Glossar

HLF, TLF, AGT, MANV, BMA: Wer den Funk der Feuerwehr versteht, braucht ein eigenes Vokabular. Unser großes Glossar erklärt die wichtigsten Abkürzungen von A bis Z – verständlich sortiert nach Fahrzeugen, Funktionen und Einsatzarten.

7 Min Lesezeit · Aktualisiert: 6. Juli 2026

Wer zum ersten Mal einen Funkspruch der Feuerwehr mithört oder das Einsatzprotokoll seiner Wehr liest, fühlt sich schnell wie vor einem Geheimcode: „HLF 20 besetzt mit ZF, GF und vier AGT rückt zur TH ein.“ Hinter dieser scheinbaren Buchstabensuppe steckt ein hochpräzises System. Abkürzungen sparen im Einsatz wertvolle Sekunden, vermeiden Missverständnisse über Funk und sorgen dafür, dass bundesweit jeder Feuerwehrangehörige sofort versteht, welches Fahrzeug, welche Funktion oder welche Lage gemeint ist.

Dieses Glossar bündelt die wichtigsten Kürzel von A bis Z. Damit du nicht nur eine Liste, sondern auch ein Verständnis bekommst, ordnen wir die Abkürzungen vorab in drei große Gruppen ein: Fahrzeuge, Funktionen und Personal sowie Einsatzarten und Technik. Wer diese Logik einmal verstanden hat, kann viele Kürzel selbst herleiten.

Die Logik hinter den Kürzeln

Ein großer Teil der Feuerwehr-Abkürzungen beschreibt Fahrzeuge. Hier folgt fast alles einem Baukastenprinzip: Der erste Buchstabe nennt oft den Zweck (L für Löschen, T für Tank, R für Rüsten), angehängte Zahlen verraten die Norm-Größe oder die Pumpenleistung. Ein „LF 20″ ist also ein Löschgruppenfahrzeug mit einer Pumpe, die rund 2.000 Liter pro Minute fördert. Wer dieses System kennt, entschlüsselt selbst unbekannte Typenbezeichnungen. Mehr zur Systematik der Fahrzeugkennung findest du auch in unserem Beitrag zu den Funkrufnamen der Feuerwehr.

Die zweite Gruppe betrifft Funktionen und Personal. Innerhalb einer Mannschaft hat jeder eine klar definierte Rolle – vom Truppmann bis zum Einsatzleiter. Diese Funktionskürzel tauchen sowohl in der Ausbildung als auch in jedem Einsatzbericht auf. Die dritte Gruppe schließlich beschreibt Einsatzarten und Technik: Sie sagt aus, warum die Feuerwehr alarmiert wurde – etwa zu einem Brand (B), einer technischen Hilfeleistung (TH) oder einem Gefahrstoffeinsatz – und mit welcher technischen Ausstattung gearbeitet wird.

Das große Abkürzungs-Glossar

Die folgende Tabelle führt die gebräuchlichsten Abkürzungen alphabetisch auf. Sie deckt den Großteil dessen ab, was dir im Funkverkehr, in Lehrgängen und auf dem Übungsplatz begegnet. Beachte, dass einzelne Wehren regionale Eigenheiten pflegen können – die Norm-Bezeichnungen sind aber bundesweit einheitlich.

Abkürzung Bedeutung Kurz erklärt
ABC Atomar, Biologisch, Chemisch Sammelbegriff für Gefahrstoff-Einsätze; heute oft „CBRN“ genannt.
AGT Atemschutzgeräteträger Ausgebildete Kraft, die unter umluftunabhängigem Atemschutz vorgeht.
AB Abrollbehälter Wechselbarer Container für Wechselladerfahrzeuge (WLF).
BMA Brandmeldeanlage Technische Anlage, die Brände automatisch an die Leitstelle meldet.
B Brand Einsatzstichwort für Feuer; oft mit Größe ergänzt (B2, B3, B4).
CSA Chemikalienschutzanzug Gasdichter Vollschutzanzug für Gefahrstoffeinsätze.
DLK Drehleiter mit Korb Hubrettungsfahrzeug zur Menschenrettung und Brandbekämpfung von oben.
DME Digitaler Meldeempfänger „Pieper“ zur stillen Alarmierung der Einsatzkräfte.
ELW Einsatzleitwagen Mobile Führungsstelle für die Einsatzleitung.
FwDV Feuerwehr-Dienstvorschrift Bundesweit gültige Regelwerke für Ausbildung und Einsatz.
GF Gruppenführer Führt eine Gruppe (neun Einsatzkräfte) und gibt Befehle.
GW Gerätewagen Transportiert Spezialgerät, z. B. GW-Gefahrgut oder GW-Atemschutz.
HLF Hilfeleistungslöschfahrzeug Löschfahrzeug mit zusätzlicher Ausrüstung für technische Hilfe.
LF Löschgruppenfahrzeug Standard-Löschfahrzeug für eine komplette Gruppe.
MANV Massenanfall von Verletzten Lage mit vielen Verletzten, die besondere Organisation erfordert.
MTF / MTW Mannschaftstransportfahrzeug / -wagen Transportiert Personal und leichtes Material.
PA Pressluftatmer Umluftunabhängiges Atemschutzgerät mit Druckluftflasche.
RTW Rettungswagen Fahrzeug des Rettungsdienstes; eng mit der Feuerwehr verzahnt.
RW Rüstwagen Spezialfahrzeug für schwere technische Hilfeleistung.
StLF Staffellöschfahrzeug Kompaktes Löschfahrzeug für eine Staffel (sechs Kräfte).
TH Technische Hilfeleistung Einsatzart abseits von Feuer: Unfälle, Sturm, Wasser, Türöffnung.
TLF Tanklöschfahrzeug Löschfahrzeug mit großem Löschwasservorrat.
TM / TF Truppmann / Truppführer Kleinste taktische Einheit: TF führt, TM unterstützt.
VU Verkehrsunfall Häufiges Einsatzstichwort, oft mit eingeklemmten Personen (VU P).
WLF Wechselladerfahrzeug Trägerfahrzeug für Abrollbehälter (AB).
ZF Zugführer Führt einen Zug (mehrere Gruppen) als nächsthöhere Ebene.

Fahrzeuge im Detail

Bei den Fahrzeugen lohnt ein genauer Blick, weil sie das Rückgrat jeder Wehr bilden. Das LF (Löschgruppenfahrzeug) und das HLF (Hilfeleistungslöschfahrzeug) sind die Allrounder: Sie bringen Mannschaft, Wasser und Gerät zur Einsatzstelle. Das TLF punktet mit einem großen Wassertank und ist dort gefragt, wo keine Hydranten in der Nähe sind – etwa bei Vegetationsbränden. Für die Menschenrettung aus Höhen sorgt die DLK, während der RW bei schwerer technischer Hilfeleistung – etwa nach einem LKW-Unfall – zum Einsatz kommt.

Funktionen und Einsatzarten

Auf der personellen Seite bildet der Trupp aus Truppführer (TF) und Truppmann (TM) die kleinste Einheit. Darüber stehen GF (Gruppenführer) und ZF (Zugführer) als Führungskräfte. Wer unter Atemschutz arbeitet, ist ein AGT – eine körperlich wie gesundheitlich anspruchsvolle Aufgabe, die unter anderem mit dem Krebsrisiko zusammenhängt, das wir im Beitrag Krebsrisiko bei der Feuerwehr beleuchten. Bei den Einsatzarten unterscheidet die Feuerwehr grob zwischen B (Brand) und TH (technische Hilfeleistung) – Letztere macht in vielen Wehren inzwischen den größeren Teil der Alarmierungen aus.

Atemschutz, Gefahrgut und Kommunikation

Eine eigene Welt der Abkürzungen umgibt den Atemschutz. Der PA (Pressluftatmer) ist das umluftunabhängige Atemschutzgerät, mit dem sich AGT in verrauchte Bereiche wagen. Geht es um Chemikalien, kommt der CSA (Chemikalienschutzanzug) zum Einsatz – ein gasdichter Vollschutz, der die Trägerin oder den Träger komplett von der Umgebung abschottet. Gefahrstofflagen fasst die Feuerwehr unter dem Kürzel ABC (atomar, biologisch, chemisch) zusammen, das zunehmend durch die international gebräuchliche Bezeichnung „CBRN“ abgelöst wird. Auch die Kommunikation hat ihre Kürzel: Der DME (Digitaler Meldeempfänger) ist der „Pieper“, über den Einsatzkräfte still alarmiert werden, während der Funkverkehr selbst längst über das digitale BOS-Netz (TETRA) läuft. Wer all diese Begriffe kennt, versteht nicht nur einzelne Wörter, sondern die gesamte Choreografie eines Einsatzes – vom Eingang der Meldung bis zum letzten Handgriff am Gerät.

Praxisbeispiel: Ein Funkspruch entschlüsselt

Stell dir eine typische nächtliche Alarmierung vor. Über Funk hörst du: „Florian Musterstadt 1/46/1, rückt aus zur TH VU P, B 3 nachgefordert, RTW ist vor Ort.“ Für Außenstehende klingt das wie eine fremde Sprache. Übersetzt heißt es: Das Hilfeleistungslöschfahrzeug (Kenner 46) der Wache 1 fährt zu einer technischen Hilfeleistung nach einem Verkehrsunfall mit eingeklemmter Person (VU P). Weil zusätzlich ein Brand droht, wurde Verstärkung mit dem Stichwort B 3 angefordert. Ein Rettungswagen (RTW) ist bereits an der Einsatzstelle. In dieser einen Funkmeldung stecken also Fahrzeugtyp, Einsatzart, Lagebild und der Status des Rettungsdienstes – komprimiert in wenige Kürzel, die jede Kraft sofort versteht. Genau das ist der Sinn der Abkürzungen: maximale Information in minimaler Zeit.

Fazit

Feuerwehr-Abkürzungen wirken auf den ersten Blick einschüchternd, folgen aber einer klaren Logik. Wer die drei Gruppen Fahrzeuge, Funktionen und Einsatzarten verinnerlicht, kann die meisten Kürzel schnell einordnen. Dieses Glossar ist als Nachschlagewerk gedacht – speichere es dir als Lesezeichen, denn besonders zu Beginn der Feuerwehrlaufbahn ist es ein verlässlicher Begleiter. Mit etwas Übung wird aus der vermeintlichen Buchstabensuppe eine zweite Sprache, die du fließend beherrschst.

Häufige Fragen

Was bedeutet AGT bei der Feuerwehr?

AGT steht für Atemschutzgeräteträger. Das sind speziell ausgebildete Einsatzkräfte, die mit einem umluftunabhängigen Atemschutzgerät (Pressluftatmer) in verrauchte oder mit Gefahrstoffen belastete Bereiche vorgehen dürfen. Voraussetzung sind ein bestandener Lehrgang und die regelmäßige arbeitsmedizinische Tauglichkeitsuntersuchung G26.3.

Was ist der Unterschied zwischen LF und HLF?

Ein LF (Löschgruppenfahrzeug) ist auf die Brandbekämpfung mit einer kompletten Gruppe ausgelegt. Ein HLF (Hilfeleistungslöschfahrzeug) basiert darauf, führt aber zusätzlich umfangreiche Ausrüstung für die technische Hilfeleistung mit – etwa hydraulisches Rettungsgerät für Verkehrsunfälle. Das HLF ist damit der vielseitigere Allrounder.

Wofür steht die Abkürzung TH?

TH bedeutet technische Hilfeleistung. Darunter fallen alle Einsätze abseits der klassischen Brandbekämpfung: Verkehrsunfälle, Sturm- und Unwetterschäden, vollgelaufene Keller, Türöffnungen oder die Rettung von Tieren. In vielen Feuerwehren machen TH-Einsätze inzwischen den größten Teil der Alarmierungen aus.

Sind Feuerwehr-Abkürzungen bundesweit einheitlich?

Die genormten Fahrzeug- und Funktionsbezeichnungen sind bundesweit einheitlich geregelt, etwa über DIN-Normen und die Feuerwehr-Dienstvorschriften. Bei internen Einsatzstichworten und regionalen Begriffen kann es jedoch Unterschiede zwischen den Bundesländern oder einzelnen Leitstellenbereichen geben.

Was bedeutet MANV?

MANV steht für „Massenanfall von Verletzten“. Damit wird eine Schadenslage bezeichnet, bei der so viele Menschen verletzt sind, dass die Standardstrukturen nicht ausreichen. Es greifen besondere Einsatzkonzepte mit Sichtung (Triage), zusätzlichen Kräften und einer eigenen Führungsorganisation aus Feuerwehr und Rettungsdienst.

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