Die Freiwillige Feuerwehr ist das Rückgrat des Brandschutzes in Deutschland: Nach der Jahresstatistik des Deutschen Feuerwehrverbands (DFV) stellen die Ehrenamtlichen mit Abstand den größten Teil aller Einsatzkräfte – auf einen Berufsfeuerwehrmann kommen rechnerisch rund 26 Freiwillige. Zugleich klagen viele Wehren über Nachwuchssorgen. Was sagen die Zahlen wirklich, und was tun Feuerwehren dagegen?
Die aktuellen Zahlen: über eine Million Aktive
Die jüngste veröffentlichte DFV-Jahresstatistik (Stichtag 31.12.2023) zählt bundesweit 1.458.560 Feuerwehrangehörige. Der Löwenanteil entfällt auf die Freiwilligen Feuerwehren:
| Bereich | Mitglieder | Einheiten |
|---|---|---|
| Freiwillige Feuerwehren | 1.028.021 Aktive | 23.760 Wehren |
| Berufsfeuerwehren | 39.501 | 114 |
| Jugendfeuerwehren | 356.896 | 24.254 |
| Werkfeuerwehren | 34.142 | 728 |
| Gesamt | 1.458.560 | – |
Quelle: Jahresstatistik des Deutschen Feuerwehrverbands, Stand 31.12.2023 (als Text zitiert, keine Gewähr für spätere Aktualisierungen).
Damit sind mehr als 90 Prozent aller Einsatzkräfte ehrenamtlich aktiv. Auch der Frauenanteil wächst langsam: Zum Stichtag 31.12.2022 zählte der DFV 122.624 Frauen in den Freiwilligen Feuerwehren – rund 11,9 Prozent der Aktiven.
Nachwuchs auf Rekordniveau – aber ungleich verteilt
Von einem flächendeckenden „Sterben“ der Feuerwehr kann laut Statistik keine Rede sein – besonders beim Nachwuchs. Die Deutsche Jugendfeuerwehr meldete für 2024 insgesamt 372.334 Kinder und Jugendliche in Jugendfeuerwehren und Kindergruppen, ein Plus von 4,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr und ein neuer Höchststand. 272.745 Jugendliche waren in 18.446 Jugendfeuerwehren aktiv, dazu 99.589 Kinder in 6.341 Kindergruppen – gerade der Kinderbereich wuchs um mehr als zehn Prozent, und der Mädchen- und Frauenanteil im Nachwuchs liegt inzwischen bei über 25 Prozent.
Das eigentliche Problem liegt woanders: Die Entwicklung ist regional sehr unterschiedlich, und entscheidend ist nicht nur die Mitgliederzahl auf dem Papier, sondern wer werktags tagsüber tatsächlich zum Gerätehaus kommen kann. Wo viele Mitglieder auspendeln, wird die Tageseinsatzbereitschaft zur Dauerbaustelle – unabhängig davon, wie voll die Mitgliederliste ist.
Was Wehren gegen den Mitgliederschwund tun
Früh binden: Kinder- und Jugendfeuerwehr
Kindergruppen ab dem Grundschulalter und die klassische Jugendfeuerwehr sind der wichtigste Nachwuchskanal – die Rekordzahlen von 2024 zeigen, dass genau dieser Weg funktioniert. Wer früh dabei ist, bleibt oft jahrzehntelang.
Quereinstieg für Erwachsene öffnen
Der Einstieg ist keineswegs Jugendlichen vorbehalten: Auch mit 30, 40 oder 50 Jahren kannst du einsteigen – die Ausbildung übernimmt die Wehr. Viele Feuerwehren werben gezielt um Erwachsene, etwa Neuzugezogene oder Menschen mit Migrationsgeschichte. Wie der Wechsel aus dem Berufsleben gelingt, zeigt der Ratgeber Feuerwehr-Quereinstieg.
Tagesverfügbarkeit organisieren
Gegen die Lücke am Werktag setzen Wehren auf Doppelmitgliedschaften: Wer in einer anderen Gemeinde arbeitet, kann dort tagsüber mit ausrücken und bleibt abends in der Heimatwehr aktiv. Auch gemeinsame Alarmierung mehrerer Ortswehren gehört vielerorts zum Standard.
Arbeitgeber ins Boot holen
Die Freistellung für Einsätze ist in den Brandschutz- und Feuerwehrgesetzen der Länder geregelt – trotzdem lebt das System vom Wohlwollen der Betriebe. Viele Feuerwehrverbände zeichnen deshalb feuerwehrfreundliche Arbeitgeber öffentlich aus und werben aktiv für Kooperationen, von flexibler Schichtplanung bis zur Unterstützung bei Lehrgängen.
Mitmachen: einfacher, als viele denken
Vorkenntnisse brauchst du nicht, die Grundausbildung läuft berufsbegleitend in der Wehr. Wie der Beitritt konkret abläuft, erklärt der Ratgeber Freiwillige Feuerwehr beitreten; welche Bedingungen gelten, steht unter Voraussetzungen.