CBRN im Feuerwehrdienst: Ausbildung, Einsatz & Schutzausrüstung erklärt
Sonderthemen · 8. Juni 2026

CBRN im Feuerwehrdienst: Ausbildung, Einsatz & Schutzausrüstung erklärt

Was bedeutet CBRN? Wie läuft ein CBRN-Einsatz ab, welche Ausbildung braucht man und was verdienen Spezialisten?

Andreas
3 Min Lesezeit

CBRN steht für Chemical, Biological, Radiological, Nuclear — die Fachrichtung für Einsätze mit chemischen, biologischen, radioaktiven und nuklearen Gefahrstoffen. CBRN-Spezialisten gehören zu den am besten ausgebildeten Einsatzkräften der Feuerwehr.

Was ist CBRN?

CBRN-Einheiten werden bei Gefahrstoffunfällen, Chemikalienbränden, Verdacht auf biologische Stoffe (z.B. Milzbrand-Briefe) oder radioaktive Kontaminationen eingesetzt. In Deutschland gibt es auf kommunaler Ebene HAZMAT-Züge und auf Bundesebene die ABC-Züge der Bundeswehr und des THW.

Einsatzszenarien

  • Chemieunfall in Industriebetrieben (Chlorgas, Ammoniak, Säuren)
  • Gefahrguttransportunfall (Kesselwagen, LKW)
  • Verdächtiger Brief / Pulver (biologischer CBRN-Verdacht)
  • Kontaminierung nach Explosion / Anschlag
  • Messungen an Kernkraftwerken oder nuklearen Anlagen

Ausbildungsweg CBRN-Specialist

StufeLehrgangDauerVoraussetzung
1Grundausbildung Gefahrgut (GG I)16 Std.Truppführer
2Gefahrgutlehrgang II (taktisch)24 Std.GG I
3Gefahrgutlehrgang III (Messdienstleitung)40 Std.GG II, GW-Mess
4CBRN-Einsatzführer80 Std.GG III, Gruppenführer

Schutzausrüstung

Schutzanzugklassen (EN 943): Typ 1a (gasdicht, belüftet), Typ 1b (gasdicht, unbelüftet), Typ 2 (nicht gasdicht, druckgeprüft), Typ 3–6 (Spritz- und Partikelschutz). Für Chemikalien der Klasse I wird fast immer Typ 1 eingesetzt.

Besoldung / Stellenzulage

CBRN-Spezialisten erhalten an vielen Berufsfeuerwehren eine Stellenzulage für besondere Gefährdung. Die Höhe variiert je Bundesland — typisch sind 50–120 € monatlich zusätzlich zur Grundbesoldung.

Karrierepfad

CBRN-Qualifikationen sind ein wichtiger Karrierebaustein auf dem Weg zum Gruppenführer oder Zugführer. In größeren Berufsfeuerwehren gibt es eigene CBRN-Referate mit Führungsstellen ab A11/A12.

CBRN-Gefahren: Was steckt hinter dem Kürzel?

CBRN steht für vier Gefahrengruppen, die jeweils spezialisierte Ausrüstung und Ausbildung erfordern:

BuchstabeGefahrBeispiele
C — ChemicalChemikalien, GiftgaseChlorgas-Leck, Chemieunfall, Ammoniak
B — BiologicalBiologische Kampfstoffe, KrankheitserregerMilzbrand-Brief, Pandemie-Szenarien
R — RadiologicalRadioaktive Stoffe (nicht Kernwaffe)Strahlungsunfall, radioaktive Quelle
N — NuclearKernwaffenwirkungKernreaktorunfall (z.B. Fukushima-Protokoll)

Im deutschen Feuerwehralltag dominiert C (Chemikalien) — Gefahrgutunfälle auf der Autobahn oder in der Industrie. B, R, N sind selten, aber die Vorbereitung ist Pflicht für Sondereinheiten.

CBRN-Ausbildung: Was lernst du?

Feuerwehrkräfte in CBRN-Einheiten absolvieren zusätzliche Lehrgänge an Landesfeuerwehrschulen:

  • Gefahrgut-Erkundung: Messung, Identifikation unbekannter Stoffe (Messgeräte, TUIS-System)
  • CSA-Ausbildung: Anlegen, Tragen und Dekonaminieren des Chemikalienschutzanzugs
  • Dekontamination (Dekon): Verfahren zur Reinigung kontaminierter Personen und Geräte
  • Strahlenschutzkunde: Grundlagen für R/N-Einsätze — Messung, Schutz, Evakuierung

Häufige Fragen zu CBRN

Welche Feuerwehren haben eigene CBRN-Einheiten?
Alle größeren BFs haben CBRN-Sondereinheiten. Auf Kreisebene gibt es Gefahrgutzüge, die mehrere Feuerwehren zusammenfassen. Für B, R, N gibt es zusätzlich Sondereinheiten des Bundes (ABC-Abwehr) und Fachberater der Bundeswehr. Im Ernstfall wird bundesweit koordiniert.

Gibt es eine Zulage für CBRN-Einsatzkräfte?
In einigen Bundesländern ja — eine Gefahrgutzulage ähnlich der Atemschutzzulage. Nicht bundesweit einheitlich. Im Bereich C (Gefahrgut) ist die Zulage häufiger als für B, R, N.

Muss ich persönlich bei CBRN-Einsätzen rein?
Nein — nur ausgebildete CBRN-Kräfte mit aktueller G26.3 und bestandener CSA-Ausbildung dürfen in den Gefahrenbereich. Nicht ausgebildete Feuerwehrkräfte sichern von außen ab und unterstützen logistisch. Das ist ein klar geregeltes Sicherheitsprinzip.

Tipp: Als Feuerwehrbeamter hast du Anspruch auf Beihilfe — eine private Krankenversicherung (PKV) kann deine Absicherung optimal ergänzen. Mehr zur PKV für Feuerwehrbeamte →
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