
Feuerwehrleine: Aufbau, Einsatz und Pflege der Rettungsleine
Die Feuerwehrleine (Rettungsleine) nach DIN 14920 im Überblick: Aufbau aus Polyesterfasern, technische Daten, Leinenbeutel, Verwendung im Dienst sowie Pflege, Prüfung und Aussonderung als sachliche Ausrüstungskunde.
Die Feuerwehrleine gehört zu den ältesten Ausrüstungsgegenständen der Feuerwehr und ist bis heute Teil der persönlichen Ausrüstung vieler Einsatzkräfte. In Deutschland ist sie durch die DIN 14920 genormt und wird häufig auch als Rettungsleine oder Fangleine bezeichnet. Dieser Ratgeber stellt Aufbau, technische Daten und den grundsätzlichen Verwendungsrahmen der Feuerwehrleine als sachliche Ausrüstungskunde vor. Er ersetzt keine Ausbildung und keine verbindliche Dienstvorschrift: Für den realen Einsatz gelten ausschließlich die jeweils gültigen Vorschriften (etwa die Feuerwehr-Dienstvorschriften) sowie die Anweisungen der zuständigen Führungskräfte.
Was ist die Feuerwehrleine?
Die Feuerwehrleine ist eine textile Leine, die traditionell zur Menschenrettung, zur Selbstrettung, zur Sicherung des Rückwegs sowie zum Transport und Hochziehen von Geräten diente. In Deutschland regelt die DIN 14920 („Feuerwehrleine – Anforderungen, Prüfung, Behandlung“) die Anforderungen an das Produkt. Üblicherweise unterscheidet man die weiße Feuerwehr-Sicherheitsleine, die für personenbezogene Zwecke vorgesehen war, und die farblich abgesetzte Mehrzweck- oder Arbeitsleine, die nur für Materialaufgaben genutzt wird.
Wichtig ist der Hinweis, dass sich die Rolle der Feuerwehrleine bei der personenbezogenen Sicherung über die Jahre verändert hat. Für Aufgaben, bei denen ein Absturz nicht ausgeschlossen werden kann, kommen heute in der Regel geprüfte Absturzsicherungssets mit dynamischen Kernmantelseilen zum Einsatz, da eine Feuerwehrleine einen Fangstoß nicht dynamisch abfangen kann. Welche Verwendung in einem Bundesland und in einer konkreten Feuerwehr zulässig ist, ergibt sich aus den dort gültigen Vorschriften und kann sich unterscheiden.
Aufbau & technische Daten (DIN 14920)
Nach DIN 14920 besteht die klassische Feuerwehrleine aus spiralgeflochtenen Polyesterfasern. Der Aufbau folgt einem kernmantelähnlichen Prinzip mit lasttragendem Inneren und schützender äußerer Lage, wobei die Norm die konkreten Eigenschaften wie Reißkraft, Länge und Durchmesser festlegt. Am Ende der Leine ist typischerweise ein Holzknebel oder ein Karabinerhaken eingespleißt. Die folgende Tabelle nennt die gängigen Normwerte; im Zweifel ist die aktuelle Fassung der DIN maßgeblich.
| Merkmal | Angabe (nach DIN 14920) |
|---|---|
| Material | Spiralgeflochtene Polyesterfasern |
| Länge | ca. 30 m |
| Durchmesser | ca. 10 mm |
| Reißkraft | rund 14 kN (etwa 1,4 t) |
| Farbe (Sicherheitsleine) | Weiß |
| Endabschluss | Eingespleißter Holzknebel oder Karabinerhaken |
| Aufbewahrung | Leinenbeutel nach DIN 14921 |
Zur ordnungsgemäßen Lagerung dient der Feuerwehr-Leinenbeutel, der in der DIN 14921 beschrieben ist. In ihm wird die Leine so verstaut, dass sie sich ohne Verwicklungen wieder herausziehen lässt. Viele Leinenbeutel besitzen einen Trageriemen zum Umhängen; darüber hinaus gibt es Kombileinenbeutel, die weitere Ausrüstung aufnehmen können.
Verwendung im Dienst
Im Rahmen der Ausbildung wird die Feuerwehrleine vor allem gemeinsam mit den Feuerwehrknoten behandelt. Leinen und Seile sowie die zugehörigen Knoten und Stiche sind Gegenstand der Feuerwehr-Dienstvorschriften. Grundsätzlich lassen sich die Aufgaben in materialbezogene und personenbezogene Anwendungen einteilen; zu den materialbezogenen zählen das Hochziehen und Sichern von Geräten sowie das Führen von Lasten.
Für das Sichern von Gegenständen ist der Mastwurf ein zentraler Knoten, der in der Regel mit einem Spierenstich gegen Aufgehen gesichert wird. Der Zimmermannsschlag dient dem Hochziehen von Gegenständen und hält nur unter Zug am langen Leinenende. Mit einem Halbschlag lassen sich längliche Gegenstände beim Hochziehen führen. Für personenbezogene Anwendungen ist historisch der Brustbund (Rettungsbund) bekannt; dabei ist zu beachten, dass längeres Hängen in der Leine zu einem sogenannten Hängetrauma führen kann. Ob und wie diese Techniken heute zulässig sind, richtet sich strikt nach den gültigen Vorschriften und der Ausbildung – dieser Beitrag gibt dazu ausdrücklich keine Anwendungsanleitung.
Pflege, Prüfung & Aussonderung
Textile Leinen sind empfindlich gegenüber mechanischer Beschädigung, Chemikalien, Hitze und UV-Strahlung. Nach jedem Einsatz ist eine Sichtprüfung vorgesehen, bei der die Leine auf Beschädigungen, Verschmutzungen und Verhärtungen kontrolliert wird. Zusätzlich sieht die Norm eine gründliche Prüfung durch eine besonders ausgebildete, sachkundige Person vor – üblicherweise einmal jährlich.
Für die Aussonderung gilt in Deutschland eine feste Frist: Feuerwehrleinen werden 20 Jahre nach dem Herstellungsdatum ausgesondert. Wird eine Feuerwehr-Sicherheitsleine ausgesondert, darf sie nicht mehr für personenbezogene Zwecke verwendet werden; sie wird rot markiert und darf danach nur noch als Arbeits- bzw. Mehrzweckleine für Materialaufgaben dienen. Beschädigte oder stark belastete Leinen sind unabhängig vom Alter auszusondern. Die konkrete Dokumentation und die Zuständigkeit für die Prüfung regeln die jeweilige Feuerwehr und die einschlägigen Vorschriften.
Praxisbeispiel: Bei der monatlichen Gerätepflege nimmt ein Gerätewart die Feuerwehrleinen aus den Leinenbeuteln, rollt sie vollständig aus und führt eine Sichtprüfung durch. Er achtet auf Scheuerstellen, Schnitte, Verfärbungen sowie auf aufgegangene Spleiße am Knebel. Anschließend notiert er das Herstellungsdatum und gleicht es mit der 20-Jahres-Frist ab. Eine Leine, deren Frist bald abläuft, wird zur Ersatzbeschaffung vorgemerkt; eine sichtbar beschädigte Leine wird sofort der Nutzung entzogen. Danach zieht er jede Leine wieder verwicklungsfrei in den Leinenbeutel ein, damit sie im Bedarfsfall sauber abläuft. Dieses Beispiel dient allein der Veranschaulichung und ersetzt keine verbindliche Prüfanweisung.
Häufige Fragen
Wie lang ist eine Feuerwehrleine nach DIN 14920?
Die klassische Feuerwehrleine nach DIN 14920 ist rund 30 Meter lang, hat einen Durchmesser von etwa 10 Millimetern und eine Reißkraft von rund 14 kN (etwa 1,4 Tonnen). Maßgeblich ist stets die jeweils aktuelle Fassung der Norm.
Worin unterscheiden sich Sicherheitsleine und Mehrzweckleine?
Die weiße Feuerwehr-Sicherheitsleine war für personenbezogene Zwecke vorgesehen, während die Mehrzweck- oder Arbeitsleine nur für Materialaufgaben dient. Ausgesonderte Sicherheitsleinen werden rot markiert und dürfen anschließend ausschließlich als Arbeitsleine genutzt werden.
Wann muss eine Feuerwehrleine ausgesondert werden?
In Deutschland werden Feuerwehrleinen 20 Jahre nach dem Herstellungsdatum ausgesondert. Unabhängig davon ist jede Leine auszusondern, die bei der Prüfung Beschädigungen aufweist oder stark beansprucht wurde. Verbindlich sind die jeweils gültigen Vorschriften.
Wozu dient der Leinenbeutel?
Der Leinenbeutel nach DIN 14921 dient der geordneten Aufbewahrung. Die Leine wird so eingezogen, dass sie sich ohne Verwicklungen wieder herausziehen lässt. Viele Beutel besitzen einen Trageriemen; Kombileinenbeutel nehmen zusätzlich weitere Ausrüstung auf.