HLF 20: Das Hilfeleistungslöschgruppenfahrzeug erklärt
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HLF 20: Das Hilfeleistungslöschgruppenfahrzeug erklärt

HLF 20 – Technik, Normbeladung und Unterschied zu LF 10 und HLF 10. Der Standard-Erstausrücker der deutschen BF.

7 Min Lesezeit · Aktualisiert: 2. Oktober 2026

Das HLF 20 ist das Standard-Erstausrückfahrzeug der deutschen Berufsfeuerwehren. Hilfeleistungslöschgruppenfahrzeug – der Name ist sperrig, die Funktion klar: Brandbekämpfung und Technische Hilfeleistung in einem.

Wer sich für die Arbeit bei der Feuerwehr interessiert, wird diesem Fahrzeugtyp früh begegnen: Das HLF 20 ist an vielen Berufsfeuerwehren und großen Freiwilligen Feuerwehren das erste Fahrzeug, das bei einem Alarm ausrückt. Es vereint einen Löschwassertank, eine leistungsfähige Pumpe und die komplette Ausrüstung für die Technische Hilfeleistung – etwa bei Verkehrsunfällen – auf einem einzigen Fahrgestell. Genau diese Doppelfunktion macht es zum vielseitigsten Fahrzeug im Fuhrpark einer Wache. Dieser Ratgeber ordnet die technischen Kennzahlen ein, erklärt die Normbeladung nach DIN 14530-27, zeigt anhand von Praxisszenarien, wann welche Ausrüstung zum Einsatz kommt, und stellt das HLF 20 den kleineren Fahrzeugtypen LF 10 und HLF 10 gegenüber. Wer sich für eine Ausbildung als Feuerwehrmann oder Feuerwehrfrau interessiert, bekommt hier einen ersten Eindruck vom Werkzeug des Berufsalltags – die konkreten Zahlen zu Tank, Besatzung und Beladung liefern die folgenden Tabellen.

Was steckt im HLF 20?

Die folgende Übersicht fasst die wichtigsten technischen Eckdaten zusammen, wie sie sich aus der Normbezeichnung DIN 14530-27 ergeben. Diese Norm legt bundesweit einheitliche Mindestanforderungen fest – etwa an Tankgröße, Pumpenleistung und Besatzungsstärke –, damit ein HLF 20 aus Hamburg im Prinzip dieselben Grundfunktionen bietet wie eines aus München. Trotzdem gibt es je nach Beschaffung und Baujahr Spielraum bei Zusatzausstattung, Fahrgestell oder Aufbauhersteller, sodass sich einzelne Fahrzeuge in Details unterscheiden können.

ParameterWert
NormbezeichnungDIN 14530-27 (Ausgabe November 2019)
Besatzung1/8 (Gruppenführer + 8 Einsatzkräfte, zusammen 9)
Löschwasserbehältermind. 1.600 Liter nutzbare Wassermenge (in der Praxis oft größer)
Schaummittel120 Liter in sechs 20-Liter-Behältern oder alternativ Druckzumischanlage bzw. Druckluftschaumanlage
FeuerlöschkreiselpumpeFPN 10-2000 (2.000 L/min bei 10 bar)
Gesamtmassenach Norm über 14 bis 16 t (Massenklasse M III); viele Fahrzeuge werden schwerer gebaut
Führerschein FahrerKlasse C

Beispiel (Näherungswert): Die Feuerlöschkreiselpumpe FPN 10-2000 fördert bis zu 2.000 Liter pro Minute. Würde die Pumpe dauerhaft mit voller Leistung aus dem eigenen Tank gespeist, wäre ein Tank mit der Norm-Mindestmenge von 1.600 Litern rechnerisch schon nach weniger als einer Minute leer. Genau deshalb wird beim Innenangriff meist gedrosselt gefahren und parallel eine externe Wasserversorgung – etwa über Hydranten oder eine Schlauchleitung vom nächsten Fahrzeug – aufgebaut, sobald der Einsatz länger dauert.

Normbeladung (Auszug)

Das HLF 20 führt nach DIN standardisiert mit:

  • Hydraulisches Rettungsgerät (Spreizer, Schneidgerät, Rettungszylinder)
  • Wärmebildkamera für den Innenangriff
  • Schnellangriffseinrichtung oder Einrichtung zur schnellen Wasserabgabe
  • B- und C-Druckschläuche (laut Mindestausrüstungsliste 14 B-Schläuche à 20 m und 12 C-Schläuche à 15 m)
  • Erste-Hilfe-Ausstattung (Verbandkasten, Notfalltasche oder -rucksack)
  • Stromerzeuger (Leistung an die Beladung angepasst) und Flutlichtstrahler
  • Vierteilige Steckleiter, dreiteilige Schiebleiter und Sprungpolster

Diese Liste ist bewusst als Mindestausstattung zu verstehen: Sie stellt sicher, dass ein Trupp beim Eintreffen sofort handlungsfähig ist, egal ob ein Brand gelöscht, eine eingeklemmte Person befreit oder ein Erste-Hilfe-Einsatz übernommen werden muss. Hydraulisches Rettungsgerät und Schläuche werden dabei meist von unterschiedlichen Trupps gleichzeitig eingesetzt, während die Wärmebildkamera vor allem beim Innenangriff und bei der Glutnestersuche nach einem Brand hilft.

HLF 20 vs. HLF 10 vs. LF 10

Nicht jede Feuerwehr braucht das größte verfügbare Fahrzeug. Kleinere Freiwillige Feuerwehren setzen häufig auf schlankere Lösungen wie das LF 10 oder HLF 10, während Berufsfeuerwehren und große Freiwillige Feuerwehren auf das voll ausgestattete HLF 20 setzen. Der Unterschied liegt vor allem in Tankgröße und Umfang der Technische-Hilfeleistung-Ausrüstung – beides richtet sich nach der erwarteten Einsatzhäufigkeit und -art im jeweiligen Gebiet.

TypTankTH-AusrüstungTypischer Einsatz
LF 101.200 LNeinKleinere FFw, reine Brandbekämpfung
HLF 101.000 LJa (reduziert)Mittlere FFw, Kombifahrzeug
HLF 201.600 LJa (voll)Standard-BF, große FFw

Das HLF 20 im Einsatz — Praxisszenarien

Das HLF 20 ist das universellste Feuerwehrfahrzeug — es wird bei fast jedem Einsatz als Erstfahrzeug eingesetzt:

  • Wohnhausbrand: Das HLF ist das Erstangriffs-Fahrzeug. Atemschutztrupp geht mit Hohlstrahlrohr und Kübelspritze vor, Schlauchleitung wird verlegt, Drehleiter bei Bedarf nachgefordert
  • Verkehrsunfall: Spreizer und Schere aus dem HLF kommen sofort zum Einsatz, Brandschutz durch vorverlegten Schlauch sichergestellt
  • Kellerbrand: Kleines Kübelspritze-Rohr für enge Wege, CO-Meter, Thermografiekamera
  • Gefahrgutunfall: Erste Absicherung, CBRN-Schutzkleidung Level 1, Messtechnik aus der HLF-Ausrüstung

Diese Szenarien zeigen, warum das HLF 20 in der Praxis so oft das erste Fahrzeug am Einsatzort ist: Bis eine Rückmeldung der Lage vorliegt, weiß die Leitstelle häufig noch nicht genau, ob es sich um einen Brand, einen Unfall oder eine Mischlage handelt. Weil das HLF 20 für beide Einsatzarten ausgerüstet ist, kann die Besatzung flexibel reagieren, statt auf ein Spezialfahrzeug warten zu müssen. Wer mehr über den Werdegang zur Feuerwehr und die damit verbundenen Verdienstmöglichkeiten erfahren möchte, findet ergänzende Informationen im Ratgeber zum Feuerwehr-Gehalt.

Technische Daten HLF 20 (nach DIN 14530-27)

Die folgende Tabelle listet die Norm-Mindestwerte im Detail auf, inklusive Leiterlänge und zulässigem Gesamtgewicht. Wichtig für die Praxis: Das zulässige Gesamtgewicht bestimmt, welche Führerscheinklasse für das Fahren notwendig ist – beim HLF 20 ist das durchgängig Klasse C, also die Fahrerlaubnis für schwere Lkw. Angehende Fahrerinnen und Fahrer müssen diese Klasse zusätzlich zur feuerwehrtechnischen Ausbildung erwerben, bevor sie ein solches Fahrzeug im Einsatz führen dürfen.

ParameterWert
Löschwasserbehältermind. 1.600 l nutzbare Wassermenge
Schaummittel120 l (sechs Behälter à 20 l) oder Druckzumischanlage bzw. Druckluftschaumanlage
PumpenleistungFPN 10-2000 (2.000 l/min)
Besatzung1/8 (Gruppe: Gruppenführer + 8 Einsatzkräfte)
Tragbare Leiternvierteilige Steckleiter (alternativ zwei Multifunktionsleitern), dreiteilige Schiebleiter, Sprungpolster SP 16
Hydraulische RettungsmittelSpreizer, Schere, Rettungszylinder
Zulässige Gesamtmasseüber 14 bis 16 t (Massenklasse M III)
FührerscheinklasseC

HLF 10 vs. HLF 20: Wann welches Fahrzeug?

Ob eine Wehr ein HLF 10 oder ein HLF 20 beschafft, hängt vor allem von Einwohnerzahl, Einsatzaufkommen und Gefährdungslage im jeweiligen Gebiet ab. In ländlichen und mittelgroßen Gemeinden reicht ein HLF 10 oft aus, während dicht besiedelte Städte mit Berufsfeuerwehr auf den größeren Tank, die stärkere Pumpe und die umfangreichere Beladung des HLF 20 setzen. Beide Fahrzeuge sind nach der Norm für eine Gruppe (1/8) ausgelegt. Die folgende Gegenüberstellung zeigt die zentralen Unterschiede auf einen Blick.

AspektHLF 10HLF 20
Löschwassertankmind. 1.000 lmind. 1.600 l
Besatzung1/8 (Gruppe)1/8 (Gruppe)
PumpeFPN 10-1000FPN 10-2000
Gesamtmasse (Norm)über 9 bis 14 tüber 14 bis 16 t
EinsatzgebietMittelgroße Gemeinden, ErgänzungsfahrzeugGroßstädte, Erstangriffsfahrzeug
BeladungKleinere Beladung, u. a. ohne Schiebleiter und SprungpolsterVolle Beladung TH + Brand

Häufige Fragen zum HLF 20

Warum ist das HLF 20 das wichtigste Feuerwehrfahrzeug?

Weil es beides kann — Brandbekämpfung und Technische Hilfeleistung. Bei einem Verkehrsunfall (häufigstes Einsatzszenario) kann das HLF 20 sofort Spreizer und Schere einsetzen UND Brandschutz sicherstellen. Ein reines Löschfahrzeug kann das nicht.

Muss ich mit dem HLF 20 zuerst fahren lernen?

In der BF ja — Fahrausbildung für Großfahrzeuge (Klasse C) und BF-spezifische Einweisung auf das konkrete Fahrzeug sind Teil der Grundausbildung. Erfahrene Fahrer werden von Fahrausbildern begleitet, bis die Kompetenz nachgewiesen ist.

Wie oft wird das HLF 20 ersetzt?

Typische Nutzungsdauer bei BFs: 15–20 Jahre. Danach Hauptfahrzeug → Reservefahrzeug oder Verkauf. Die Kosten für ein neues HLF 20 liegen aktuell bei ca. 350.000–500.000 € je nach Ausstattung — ein erheblicher Haushaltposten für Gemeinden.

Was gehört zur Normbeladung eines HLF 20?

Zur Normbeladung zählen unter anderem hydraulisches Rettungsgerät (Spreizer, Schneidgerät, Rettungszylinder), eine Wärmebildkamera, die Schnellangriffseinrichtung, B- und C-Druckschläuche, 120 Liter Schaummittel in 20-Liter-Behältern (oder eine Druckzumischanlage), Erste-Hilfe-Ausstattung, ein Stromerzeuger mit Flutlichtstrahlern sowie Steckleiter, Schiebleiter und Sprungpolster.

Wodurch unterscheidet sich das HLF 20 vom HLF 10?

Das HLF 10 hat einen kleineren Löschwasserbehälter (mind. 1.000 Liter statt mind. 1.600 Liter nutzbare Wassermenge), eine schwächere Pumpe (FPN 10-1000 statt FPN 10-2000) und ist leichter (Massenklasse bis 14 t statt bis 16 t). Beide sind nach der Norm für eine Gruppe (1/8) ausgelegt. Die Beladung für die Technische Hilfeleistung ist beim HLF 10 kleiner, während das HLF 20 die volle Beladung für Brandbekämpfung und Technische Hilfeleistung mitführt.

Quellen & Normen

Stand: September 2026 (Quellen am 25.09.2026 abgerufen). Der Normtext selbst ist kostenpflichtig; die Werte stützen sich auf die veröffentlichten Normauszüge und amtliche Beladungslisten. Ausstattung einzelner Fahrzeuge kann über die Norm hinausgehen.

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