
Feuerwehr Drehleiter (DLK 23/12): Technik, Einsatz und Anforderungen
Die Drehleiter DLK 23/12 erklärt: Rettungshöhe, technische Daten, Einsatzbereiche und was der Maschinist braucht.
Die Drehleiter zählt zu den bekanntesten und wichtigsten Fahrzeugen der Feuerwehr – kaum ein anderes Einsatzmittel prägt das Bild eines Löscheinsatzes so sehr wie der rote Ausleger mit dem Rettungskorb. Für Bewohner mehrgeschossiger Häuser ist sie oft der entscheidende zweite Rettungsweg, wenn Treppenhaus oder Balkon im Brandfall nicht mehr sicher nutzbar sind. Die DLK 23/12 – in Deutschland die am weitesten verbreitete Bauform – erreicht eine Rettungshöhe von bis zu 23 Metern und deckt damit die meisten Wohngebäude bis etwa zum siebten oder achten Obergeschoss ab. Dieser Ratgeber richtet sich an alle, die sich für die Technik hinter dem Fahrzeug interessieren: angehende Feuerwehrleute, Hausbesitzer, die den baulichen Brandschutz verstehen wollen, und alle, die einfach wissen möchten, wie ein solches High-Tech-Fahrzeug funktioniert. Du erfährst, was die Typenbezeichnung bedeutet, welche technischen Daten zählen, wann die Drehleiter zum Einsatz kommt – und wo ihre praktischen Grenzen liegen. Wer sich für die berufliche Laufbahn dahinter interessiert, findet ergänzend Informationen zu Gehalt und Ausbildung im Magazin.
Was bedeutet DLK 23/12?
DLK steht für Drehleiter mit Korb – die Ziffer gibt die Nenngröße an:
- 23 = Nennrettungshöhe 23 Meter (entspricht ca. 7.–8. Stockwerk)
- 12 = Nennausladung 12 Meter seitlich (Abstand vom Fahrzeug zur Einsatzstelle)
Diese Typenbezeichnung ist keine Werbefloskel, sondern eine genormte Kennzahl: Sie sagt der Einsatzleitung sofort, welche Gebäude mit diesem Fahrzeug überhaupt erreichbar sind, ohne dass am Einsatzort erst nachgerechnet werden muss. Wer die beiden Zahlen einmal verstanden hat, kann jede Drehleiter-Bezeichnung – ob DLK 23/12, DLK 30 oder ein Teleskopmast – auf einen Blick einordnen.
Technische Daten DLK 23/12 (typisch)
Die folgenden Werte sind typische Herstellerangaben für eine DLK 23/12, wie sie bei vielen deutschen Berufs- und Freiwilligen Feuerwehren im Einsatz ist. Konkrete Fahrzeuge können je nach Hersteller, Baujahr und Ausstattung leicht abweichen – die Größenordnung bleibt jedoch vergleichbar.
| Parameter | Wert |
|---|---|
| Fahrzeuglänge | ca. 10–11 m |
| Fahrzeuggewicht (zGG) | 18–26 t |
| Leiterlänge (ausgezogen) | ca. 30 m |
| Rettungskorb-Traglast | 270 kg (2 Personen + Feuerwehrangehöriger) |
| Drehbereich | 360°, hydraulisch |
| Aufstellzeit | ca. 60–90 Sekunden |
| Betrieb ohne Stützabstützung | nicht möglich (Abstützung Pflicht) |
In der Praxis sind vor allem zwei Werte entscheidend für den Ablauf am Einsatzort: die Aufstellzeit und die Traglast des Rettungskorbs. Die Aufstellzeit von rund 60 bis 90 Sekunden entscheidet mit darüber, wie schnell die ersten Personen aus dem Fenster oder vom Balkon gerettet werden können, sobald das Fahrzeug steht. Die Traglast von 270 kg begrenzt, wie viele Personen gleichzeitig im Korb transportiert werden dürfen – neben dem Feuerwehrangehörigen passen in der Regel zwei weitere Personen hinein. Ein Beispiel zur Einordnung (Näherungswert, keine Herstellerangabe im Einzelfall): Bei einer typischen Aufstellzeit von 90 Sekunden und einer Nennrettungshöhe von 23 Metern kann der Korb bei einem Gebäude mit sieben bis acht Obergeschossen innerhalb weniger Minuten nach Eintreffen des Fahrzeugs die oberste bewohnte Etage erreichen – vorausgesetzt, Stellfläche und Seitenabstand zum Gebäude lassen die volle Ausladung von 12 Metern zu.
Einsatzbereiche
- Personenrettung: Hauptzweck – Menschen, die über Fenster oder Dach nicht mehr selbst entkommen können
- Brandbekämpfung von außen: Wasserwerfer im Korb für Hochhausbrand
- Technische Hilfeleistung: Ableuchtung, Materialtransport in die Höhe
- Zweiter Rettungsweg: Pflichterfüllung nach Bauordnung für Gebäude ohne zweiten baulichen Rettungsweg
Auch wenn die Personenrettung der ursprüngliche und wichtigste Einsatzzweck ist, wird die Drehleiter im Alltag der Feuerwehr für deutlich mehr genutzt. Als „zweiter Rettungsweg“ übernimmt sie eine bauordnungsrechtliche Funktion: Viele Gebäude dürfen überhaupt nur genehmigt werden, weil im Ernstfall die Feuerwehr mit der Drehleiter anleitern kann. Das bedeutet in der Praxis, dass die Verfügbarkeit einer Drehleiter in der Nähe direkten Einfluss auf die Bebauungsmöglichkeiten einer Kommune haben kann.
Wer darf die DLK fahren?
Der Maschinist der Drehleiter braucht:
- Führerschein Klasse C (DLK wiegt über 7,5 t)
- Lehrgang „Maschinist für Hubrettungsfahrzeuge“ an der Landesfeuerwehrschule
- Regelmäßige Übungsfahrten und Einweisungen
Nicht jeder, der bei der Feuerwehr Dienst tut, ist automatisch Drehleiter-Maschinist. Die Qualifikation ist eine Zusatzausbildung, die zusätzlich zur regulären feuerwehrtechnischen Ausbildung absolviert wird und regelmäßig durch Übungsfahrten aufgefrischt werden muss. Wer sich grundsätzlich für den Werdegang bei der Feuerwehr interessiert, findet einen Überblick über Zugangswege und Voraussetzungen im Ratgeber Feuerwehrmann werden.
Diese kommunale Zuständigkeit erklärt auch, warum es zwischen Bund und Ländern beziehungsweise zwischen einzelnen Kommunen Unterschiede gibt: Da der Brandschutz Ländersache ist und die konkrete Beschaffung auf kommunaler Ebene über den Brandschutzbedarfsplan geregelt wird, kann die Ausstattung mit Drehleitern von Ort zu Ort variieren. Größere Städte mit mehr Hochhäusern verfügen tendenziell über mehr und leistungsfähigere Hubrettungsfahrzeuge als ländliche Gemeinden, die im Bedarfsfall auf Nachbarwehren zurückgreifen.
Drehleiter-Typen und ihre Unterschiede
Die DLK 23/12 ist zwar die verbreitetste Bauform, aber nicht die einzige. Je nach Gebäudehöhe, Kommunengröße und Beschaffungsbudget setzen Feuerwehren unterschiedliche Hubrettungsfahrzeuge ein. Die folgende Übersicht ordnet die gängigen Typen nach Arbeitshöhe ein:
| Typ | Arbeitshöhe | Rettungsbereich | Besatzung |
|---|---|---|---|
| DL 16 | 16 m | bis ca. 5. OG | 1/1 |
| DLK 23-12 | 23 m | ca. 7.–8. OG | 1/2 |
| DLK 30 | 30 m | ca. 9.–10. OG | 1/2 |
| TM 50 (Teleskopmast) | 50 m | ca. 15. OG | 1/2 |
Die DLK 23-12 ist der Standard für die meisten deutschen BFs. „23-12″ bedeutet: 23 Meter Nennrettungshöhe und 12 Meter Nennausladung (seitlicher Abstand vom Fahrzeug bis zur Korbaußenkante). Für besonders hohe Gebäude reicht diese Bauform allerdings nicht mehr aus – hier kommen Fahrzeuge mit größerer Arbeitshöhe wie die DLK 30 oder der Teleskopmast TM 50 zum Einsatz, die aber deutlich seltener vorgehalten werden, weil sie teurer in Anschaffung und Unterhalt sind.
Wo kommt die Drehleiter, wo nicht?
Die Drehleiter ist kein Allheilmittel — es gibt physikalische und praktische Grenzen:
- Voraussetzung Stellfläche: Das Fahrzeug (ca. 18–22 t) braucht feste, ausreichend große Standfläche. Enge Gassen, Gehwegplatten oder weicher Untergrund schließen den DL-Einsatz aus
- Seitenabstand zum Gebäude: Mind. 3–5 m freie Fläche zwischen Fahrzeug und Wand nötig
- Hindernisse: Bäume, Stromleitungen, Balkone können den Korbweg blockieren
- Alternative: Steckleiter (bis 3. OG) oder tragbare Schiebleiter (bis 4. OG)
Wer sich mit baulichem Brandschutz beschäftigt, sollte diese Einschränkungen kennen: Eine Drehleiter auf dem Papier des Brandschutzbedarfsplans nützt wenig, wenn vor dem Gebäude im Ernstfall gar keine geeignete Stellfläche vorhanden ist. Genau deshalb prüfen Feuerwehren bei Neubauten und Umbauten die Anleiterbarkeit häufig schon in der Planungsphase.
Häufige Fragen zur Feuerwehr-Drehleiter
Kann die DLK auch bei Wind eingesetzt werden?
Ja, bis Windstärke 6 (ca. 12 m/s) ist der Betrieb möglich. Bei höheren Windgeschwindigkeiten wird der Korbbetrieb aus Sicherheitsgründen eingestellt.
Warum steht DLK – nicht einfach Drehleiter?
Die ältere Drehleiter ohne Korb (DL) gibt es noch in einigen Wehren. Das DLK-Kürzel kennzeichnet explizit das Vorhandensein des Rettungskorbs, der heute Standard ist.
Braucht man eine besondere Ausbildung für die Drehleiter?
Ja — Drehleitermaschinisten müssen eine spezielle Ausbildung absolvieren (Maschinistenausbildung Drehleiter, teils als eigener Lehrgang). Dazu kommt die Fahrausbildung für das Großfahrzeug (Klasse C) und regelmäßige Übungen. Nicht jeder BF-Beamte ist Drehleitermaschinist.
Wie wird die Drehleiter bei einem Hochhausbrand eingesetzt?
Bei einem Hochhausbrand (>7. OG) reicht die DLK 23-12 meist nicht. Dann kommen Teleskopmaste (30–50 m) oder der Innenangriff über Treppenhaus zum Einsatz. Die DL sichert dann den äußeren Löscheinsatz und die Evakuierung unterer Stockwerke.
Was kostet eine Drehleiter und wie oft wird sie getauscht?
Neupreis DLK 23-12: ca. 600.000–900.000 €. Nutzungsdauer: ca. 20–25 Jahre. Wartungskosten jährlich: ca. 20.000–40.000 €. Die Drehleiter ist nach dem Teleskopmast das teuerste Fahrzeug im BF-Fuhrpark.
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