Feuerwehr & Rettungsdienst: Muss ich als Feuerwehrbeamter im RD arbeiten?
Rettungsdienst · 8. Juni 2026

Feuerwehr & Rettungsdienst: Muss ich als Feuerwehrbeamter im RD arbeiten?

Viele Berufsfeuerwehren betreiben auch den Rettungsdienst. Was bedeutet das für Bewerber? Pflicht oder Wahl, Ausbildung und Vergütung erklärt.

7 Min Lesezeit · Aktualisiert: 9. Juli 2026

In vielen deutschen Städten betreibt die Berufsfeuerwehr den Rettungsdienst mit. Wer sich bewirbt, muss das wissen — denn in diesen Städten ist der Rettungsdienst nicht optional, sondern Bestandteil des Dienstauftrags.

Wer sich für eine Berufsfeuerwehr interessiert, unterschätzt diesen Punkt häufig: Die Bewerbung richtet sich zwar auf das Berufsbild „Feuerwehr“, im Alltag verbringt ein Großteil der Kolleginnen und Kollegen die meiste Zeit im Rettungsdienst — auf RTW oder NEF, nicht auf dem Löschfahrzeug. Für Einsteiger, Quereinsteiger und alle, die vor einer Bewerbung stehen, lohnt sich deshalb ein klarer Blick darauf, in welchen Städten und Bundesländern diese Kombination gilt, welche Qualifikationen verlangt werden und wie sich das auf Alltag und Zulagen auswirkt. Dieser Ratgeber ordnet die wichtigsten Fakten ein, zeigt anhand eines Rechenbeispiels, was eine Rettungsdienstzulage konkret bedeuten kann, und beantwortet die häufigsten Fragen dazu. Wer sich generell erst noch informieren möchte, wie man Feuerwehrmann werden kann, findet dort den Überblick zum Einstieg; weiterführende Themen rund um Besoldung und Laufbahn sind im Feuerwehr-Magazin gesammelt.

Welche Städte kombinieren Feuerwehr und Rettungsdienst?

Die Kombination Feuerwehr + Rettungsdienst ist in Deutschland die Regel, nicht die Ausnahme. Besonders häufig in:

  • Bayern: Fast alle Berufsfeuerwehren betreiben den kommunalen Rettungsdienst
  • NRW: Viele Großstädte (Köln, Düsseldorf, Dortmund) kombinieren beide Bereiche
  • BW, Hessen, Niedersachsen: Stadtgröße entscheidet — große BF meist mit RD

Diese regionalen Unterschiede sind kein Zufall, sondern historisch gewachsen: In Flächenländern mit vielen mittelgroßen Städten übernehmen oft Hilfsorganisationen den Rettungsdienst, während in Ballungsräumen die Berufsfeuerwehr wegen der ohnehin hohen Einsatzdichte gleich mitzieht. Für die eigene Bewerbung heißt das: Die Struktur unterscheidet sich von Stadt zu Stadt, und pauschale Aussagen („Feuerwehr macht überall Rettungsdienst“) greifen zu kurz. Wer sich für eine bestimmte Stadt interessiert, sollte die dortige Organisationsform gezielt recherchieren, statt sich auf Bundesland-Durchschnitte zu verlassen.

Ausnahmen: Berlin, Hamburg und einige andere Städte haben eigenständige Rettungsdienste (Berliner Feuerwehr betreibt zwar auch den RD, aber getrennt organisiert). In manchen Städten übernehmen DRK, ASB oder private Anbieter den Rettungsdienst.

Ist Rettungsdienst Pflicht?

Wenn eine Berufsfeuerwehr den Rettungsdienst betreibt, ist die RD-Tätigkeit üblicherweise Dienstpflicht. Das steht im Beamtenverhältnis — Ablehnung ist nur aus gesundheitlichen Gründen (G26, G42) möglich.

Praktisch bedeutet das: Wer sich bei einer Berufsfeuerwehr mit Rettungsdienst-Verbund bewirbt, verpflichtet sich mit der Einstellung automatisch zum RD-Dienst — eine gesonderte Zustimmung wird in der Regel nicht eingeholt, weil der Rettungsdienst fester Bestandteil des Dienstpostens ist. Wer aus persönlichen Gründen keinen Rettungsdienst leisten möchte, sollte das bereits im Bewerbungsgespräch ansprechen und gezielt nach Berufsfeuerwehren ohne RD-Verbund oder mit reinen Brandschutzstellen suchen.

Ausbildungsanforderungen

QualifikationAnforderungHinweis
Rettungssanitäter (RS)Meist Pflicht bei Einstellung520 Std. Ausbildung, vor Einstellung empfohlen
Notfallsanitäter (NotSan)Wird oft nachqualifiziert3-jährige Ausbildung, höchste Präklinik-Qualifikation
Erste-Hilfe-ScheinBasisvoraussetzungÜberall verlangt

Wie liest man diese Tabelle richtig? Die „Anforderung“ beschreibt, was zum Bewerbungszeitpunkt bereits vorliegen sollte, während „Hinweis“ den zeitlichen Aufwand und den Stellenwert der Qualifikation einordnet. Der Rettungssanitäter ist in den meisten Ausschreibungen die Mindestvoraussetzung, weil er sich in vergleichsweise kurzer Zeit erwerben lässt und häufig bereits Teil der feuerwehrtechnischen Grundausbildung ist. Der Notfallsanitäter dagegen ist eine mehrjährige Qualifikation, die viele Berufsfeuerwehren erst nach der Einstellung berufsbegleitend nachqualifizieren lassen. Wer schon vor der Bewerbung mehr mitbringt als gefordert, verbessert in der Praxis seine Chancen im Auswahlverfahren.

Was ändert sich im Alltag?

In BF-Städten mit Rettungsdienst ist der Schichtbetrieb so gestaltet, dass Feuerwehrbeamte je nach Dienstplan auf Rettungswachen (RTW/NEF) oder Feuerwehrwachen eingesetzt werden. Das bedeutet:

  • Mehr Einsatzdruck: RD-Einsätze kommen deutlich häufiger als Brände
  • Medizinische Weiterbildung ist laufende Pflicht (Fortbildungsstunden)
  • Psychische Belastung kann höher sein (Reanimationen, Kinderunfälle)
  • Zusatzvergütung: Rettungsdienstzulage in manchen BL (z.B. Bayern: ca. 100 €/Monat)

Diese Umstellung im Alltag ist der Punkt, den viele Bewerberinnen und Bewerber unterschätzen: Wer sich das Berufsbild vor allem über Brandeinsätze vorstellt, wird überrascht sein, wie viel Routine der Rettungsdienst tatsächlich einnimmt. Das betrifft nicht nur die reine Einsatzzahl, sondern auch die Art der Belastung — medizinische Notfälle laufen anders ab als technische Hilfeleistungen und erfordern eine andere Art von Stressverarbeitung. Wer sich für die Laufbahn entscheidet, sollte diesen Aspekt bei der Berufswahl realistisch mit einplanen.

Rettungsdienstzulage

BundeslandRettungsdienstzulage
Bayernca. 100 €/Monat (NotSan-Zulage)
NRWin Heilfürsorge und Grundzulage enthalten
Berlinca. 200 €/Monat (RD-Zulage)
Andere BLvariiert, teils keine gesonderte Zulage

Beispiel (Näherungswert): Wer als Notfallsanitäter bei einer bayerischen Berufsfeuerwehr die dort übliche Rettungsdienstzulage von ca. 100 €/Monat erhält, kommt über zwölf Monate auf rund 1.200 € zusätzlich zum Grundgehalt — ohne Anspruch auf Vollständigkeit, da die genaue Höhe je nach Kommune und Dienststelle variieren kann. In Berlin liegt die vergleichbare Zulage mit ca. 200 €/Monat höher, in NRW ist sie dagegen bereits in Heilfürsorge und Grundzulage eingepreist und taucht nicht als separater Posten auf der Gehaltsabrechnung auf. Wie sich Zulagen insgesamt in dein Gehalt als Feuerwehrbeamter einrechnen, hängt zusätzlich vom Besoldungsdienstgrad und der jeweiligen Landesbesoldung ab.

Vor der Bewerbung prüfen

Ob eine Berufsfeuerwehr den Rettungsdienst betreibt, steht meist in der Stellenausschreibung oder auf der Stadtwebsite. Wenn der RS oder NotSan gefordert ist — vor der Bewerbung erwerben. Das erhöht die Chancen deutlich.

Warum ist Rettungsdienst-Kompetenz bei der Feuerwehr Pflicht?

In vielen Großstädten betreiben die Berufsfeuerwehren den Rettungsdienst mit; bundesweit tragen jedoch überwiegend die Hilfsorganisationen (rund 80 %) den Rettungsdienst, während Kommunen und Feuerwehren etwa 15 % stellen. Innerhalb einer Berufsfeuerwehr gehört der Rettungsdienst dennoch zum Alltag: Wer zur BF geht, ist faktisch auch Rettungsdienstler:

EinsatzartAnteil am Gesamteinsatzaufkommen
Rettungsdienst (Notfalltransport, First Responder)ca. 65–75 %
Brandschutzca. 10–15 %
Technische Hilfeleistungca. 10–15 %
Sonstiges (CBRN, Fehlalarme)ca. 5 %

Wer die Feuerwehr als „nur Brände löschen“ versteht, wird überrascht sein. In Großstädten wie Hamburg oder Köln macht ein BF-Beamter teils mehr Rettungsdienst-Stunden als Brandschutzeinsätze.

Diese Verteilung erklärt, warum Rettungsdienst-Qualifikationen bei der Einstellung so großes Gewicht haben: Statistisch verbringt ein Großteil der Einsatzzeit auf Rettungswachen, nicht auf der Feuerwache. Genau deshalb prüfen Personalabteilungen medizinische Vorkenntnisse oft strenger als reine Brandschutzkenntnisse — sie entsprechen schlicht dem tatsächlichen Einsatzalltag besser.

Welche Rettungsdienst-Qualifikation brauche ich?

Das hängt von der BF ab — und entwickelt sich:

  • Mindeststandard vieler BFs: Rettungssanitäter (RS, 520 Std.) — wird teils im B1-Lehrgang erworben
  • Wachsender Standard: Notfallsanitäter (NFS, 3 Jahre) — BFs in Großstädten stellen zunehmend auf NFS um
  • Speziell: Notarzt-Qualifikation (Arzt + Zusatzbezeichnung) — für ärztliche Einsatzkräfte auf BF-Notarzteinsatzfahrzeugen (NEF)

Häufige Fragen zu Feuerwehr und Rettungsdienst

Muss ich als Feuerwehrbeamter auch Rettungsdienst leisten?

In fast allen BFs ja — der Rettungsdienst ist Bestandteil des regulären Dienstes. Es gibt vereinzelt Stellen ohne RTW-Dienst (z.B. reine Brandschutztrupps bei großen BFs), aber das ist die Ausnahme. Im Einstellungsgespräch klar ansprechen, wenn RD-Dienst abgelehnt wird.

Verdiene ich mehr, wenn ich Notfallsanitäter bin?

Direkt meist nicht — Besoldung richtet sich nach dem Beamtendienstgrad (A7–A16), nicht nach der NFS-Qualifikation. Indirekt kann NFS die Einstellungschancen erhöhen und damit früher das A7-Gehalt sichern.

Kann ich den Rettungsdienst ohne Feuerwehr ausüben?

Ja — NFS und RS sind eigenständige Qualifikationen, die auch bei DRK, Johanniter, Falck u.a. eingesetzt werden. Wer den Rettungsdienst bevorzugt (ohne Brand-Risiko), kann direkt beim privaten oder gemeinnützigen Rettungsdienst arbeiten.

Was passiert, wenn ich den Rettungsdienst aus gesundheitlichen Gründen nicht leisten kann?

Eine Ablehnung der RD-Tätigkeit ist regulär nur aus gesundheitlichen Gründen möglich, die im Rahmen der arbeitsmedizinischen Untersuchungen G26 und G42 festgestellt werden. In diesen Fällen wird im Einzelfall geprüft, welche dienstlichen Verwendungen innerhalb der Berufsfeuerwehr noch infrage kommen.

Wie hoch ist die Rettungsdienstzulage je nach Bundesland?

Das variiert deutlich: In Bayern liegt die NotSan-Zulage bei ca. 100 €/Monat, in Berlin bei ca. 200 €/Monat. In NRW ist eine gesonderte Zulage bereits in Heilfürsorge und Grundzulage enthalten, in anderen Bundesländern gibt es teils gar keine separate Zulage. Verlässliche Angaben liefert immer die Ausschreibung oder Besoldungsordnung der jeweiligen Kommune.

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