
Treppentest Feuerwehr: Wo es ihn gibt und was Wehren sonst prüfen
Treppentest bei der Feuerwehr: Frankfurt nutzt einen, Berlin, Hamburg, München und Köln nicht. Was sie stattdessen prüfen, was die Atemschutz-Belastungsübung nach FwDV 7 verlangt und wie du trainierst.
Einen Treppentest nutzen die Berufsfeuerwehren in Berlin, Hamburg, München und Köln im Auswahlverfahren nicht – Frankfurt am Main dagegen schon. Steigen unter Last kann dir außerdem in der Ausbildung zum Atemschutzgeräteträger begegnen – etwa an der Endlosleiter der Belastungsübung.
Viele Bewerberinnen und Bewerber rechnen mit einem Treppentest, weil er den Einsatz mit Atemschutz im Hochhaus so anschaulich nachstellt. Wir haben die Karriereseiten der Berufsfeuerwehren in Berlin, Hamburg, München und Köln geprüft (Stand: September 2026): Keine von ihnen nennt einen Treppentest. Bei der Recherche für unsere Städteprofile sind wir aber auf eine Wehr gestoßen, die einen hat: Frankfurt am Main. Höhe und Belastung prüfen sie anders – an der Leiter (Hamburg, München), mit einem 3.000-m-Lauf (Berlin, Hamburg, Köln), mit einem Pendellauf (München) oder mit der Rettung einer 75 kg schweren Puppe (Hamburg, München, Köln). Wo Steigen unter Last im Dienst regelmäßig vorkommt, zeigt eine Dienstvorschrift: In der Belastungsübung nach der FwDV 7 „Atemschutz“ ist die Endlosleiter eines der möglichen Arbeitsmessgeräte, und 10 m Steigen auf Treppe oder Leiter haben dort einen festen Belastungswert. Hier erfährst du, was die Wehren stattdessen testen, was die Belastungsübung unter Atemschutz verlangt und wie du dich auf beides vorbereitest. Wer sich generell erst über den Weg zur Feuerwehr informieren möchte, findet dort die vorgelagerten Schritte des Bewerbungsprozesses.
Gibt es bei der Berufsfeuerwehr einen Treppentest?
Bei manchen Wehren ja, bei den vier großen Wehren Berlin, Hamburg, München und Köln nicht. Ob deine Wunschwehr einen einsetzt, steht in ihrer Ausschreibung oder auf ihrer Karriereseite. Nutzt sie einen, legt sie Last, Stockwerke und Zeitlimit selbst fest. Das Prinzip: Du steigst mit Zusatzlast – etwa Teilen der Einsatzausrüstung – Treppen, in Frankfurt zum Beispiel gegen ein Zeitlimit.
Beispiel Frankfurt am Main: Die Feuerwehr Frankfurt beschreibt einen Treppenlauf als Teil ihres praktisch-sportlichen Eignungstests. Zuerst steigst du gesichert eine Leiter bis in rund 30 m Höhe und gehst mit angelegter Gesichtsmaske durch die Atemschutzübungsstrecke; dort hebst du an einem Schlaggerät 30-mal ein Gewicht von 22 kg über eine Seilrolle an und lässt es wieder ab. Danach folgt ein Hindernisparcours mit höchstens 4:00 Minuten – und direkt im Anschluss trägst du ein Schlauchpaket in höchstens 1:15 Minuten ins siebte Obergeschoss, mit einem Pressluftatmer samt Stahlflasche auf dem Rücken, aber ohne Atemanschluss. Ein Kilogewicht für Schlauchpaket und Gerät nennt die Seite nicht.
Entscheidend ist in jedem Fall, das Tempo über die gesamte Strecke konstant zu halten, statt am Anfang zu schnell zu starten und in den letzten Stockwerken einzubrechen.
Was Berlin, Hamburg, München und Köln stattdessen prüfen
Die Tabelle zeigt, womit die vier Wehren Höhe, Kraft und Ausdauer testen (Stand der Karriereseiten: September 2026). Einen Treppentest nutzt keine von ihnen.
| BF | Treppentest? | Stattdessen, unter anderem |
|---|---|---|
| München | nein | 7 Aufgaben, jede muss bestanden werden: Schiebleiter ins 3. OG in höchstens 25 s, Wechselsprünge, Beugehang 45 s, Kasten-Bumerang-Test, Personenrettung (75 kg) in höchstens 60 s, Pendellauf mit 60 Bahnen, 200 m Schwimmen mit mindestens 15 m Tauchen in höchstens 5:00 min |
| Hamburg | nein | 8 Disziplinen mit Punkten (mindestens 46), darunter 3.000-m-Lauf und Personenrettung (75 kg); zusätzlich Leiter zügig hinauf und hinab |
| Köln | nein | 9 Übungen, mindestens 11 von 13 Punkten, darunter Personenrettung (75 kg) über 3 × 22 m und 3.000-m-Lauf; Schwimmtest später gesondert |
| Berlin | nein | Brustpresse und Lat-Zug, Schwebebalken, 3.000 m in höchstens 15:30 min (Fitnesslevel 2) |
Beispiel: In München steigst du im Sporttest eine dreiteilige Schiebleiter bis ins 3. Obergeschoss hinauf, setzt dich oben in den Reitersitz und löst beim Blick nach unten eine Rechen- oder Leseaufgabe – in höchstens 25 Sekunden und mit nur einem Versuch. Wer Höhe nicht gewohnt ist, sollte das frühzeitig üben.
Auch andere Städte prüfen Höhe über eine Leiter statt über Treppen, oft an der Drehleiter. Einige Beispiele von den offiziellen Seiten (Stand September 2026):
| Stadt | Höhentest im Auswahlverfahren |
|---|---|
| Frankfurt am Main | gesichertes Leitersteigen bis in rund 30 m Höhe (dazu der Treppenlauf, siehe oben) |
| Augsburg | Drehleiter auf 30 m ausgefahren, Aufrichtwinkel 75°, höchstens 60 s (unter 18 Jahren 70 s) |
| Aachen | komplett ausgefahrene Drehleiter (30 m) bis zur obersten Sprosse in höchstens 120 s; Ausschlusskriterium |
| Bonn | Drehleiter (30 m, Neigung ca. 75°), Aufstieg in höchstens 60 s |
| Dortmund | voll ausgefahrene Drehleiter (30 m) bis in den Korb |
| Bochum | Drehleiter auf 20 m bei 60° Aufrichtwinkel, gesichert |
Wo Steigen unter Last im Dienst vorkommt: die Belastungsübung nach FwDV 7
Die Feuerwehr-Dienstvorschrift 7 regelt, wie Atemschutzgeräteträger aus- und fortgebildet werden. Wir beziehen uns auf die Fassung 2002 mit Änderungen 2005, die das Institut der Feuerwehr NRW als PDF bereitstellt. Mit dem Auswahlverfahren hat sie nichts zu tun: Sie gilt ab der Ausbildung – und danach jedes Jahr.
- Wo: in einer Atemschutz-Übungsanlage nach DIN 14 093 oder einer gleichwertigen Anlage
- Was: 80 kJ Gesamtarbeit bei einem Atemluftvorrat von 1.600 Litern; ab dem 50. Lebensjahr sind es 60 kJ
- Womit: an mindestens zwei Arbeitsmessgeräten wie Endlosleiter, Laufband oder Fahrradergometer, dazu eine Orientierungsstrecke, teils verdunkelt; im Ablaufbeispiel der Vorschrift zweimal Strecke und zweimal je 25 kJ an den Geräten
- Wie oft: mindestens einmal im Jahr, zusammen mit einer Einsatzübung; wer die Übungen zwölf Monate lang nicht ableistet, darf grundsätzlich erst wieder als Atemschutzgeräteträger arbeiten, wenn er sie nachgeholt hat
Wie viel Arbeit welcher Übungsteil bringt, gibt die Vorschrift beispielhaft vor:
| Übungsteil | Belastungswert | Hinweis laut FwDV 7 |
|---|---|---|
| 10 m Steigen (Treppe oder Leiter) | 10 kJ | angesetzt mit 100 kg: Person, Dienstkleidung, persönliche Ausrüstung und Atemschutzgerät |
| 10 m Orientierungsstrecke | 4 kJ | mittlere Schwierigkeit, teils kriechend, teils gehend |
| 100 m Laufband | 10 kJ | 6 km/h bei 10 Prozent Steigung |
Praxisbeispiel (rechnerisch): Verrichtest du von einem 25-kJ-Block zum Beispiel 10 kJ an der Endlosleiter und den Rest an einem zweiten Gerät, entspricht der Leiteranteil nach diesen Werten 10 m Steigen. Liefe die gesamte Belastungsübung über Steigen – was die Vorschrift so nicht vorsieht, weil sie mindestens zwei Geräte verlangt –, kämen rein rechnerisch 80 Höhenmeter zusammen. Ob und wie viel du steigst, hängt also von der Übungsanlage und dem Ablauf ab; beim Steigen muss aber das volle Gewicht jeden Meter mit nach oben.
Ärztliche Voraussetzung: G 26.3
Bevor du unter Atemschutz arbeiten darfst, muss deine Tauglichkeit ärztlich festgestellt sein. Die FwDV 7 verweist dafür auf den Grundsatz G 26 „Atemschutzgeräte“. Berlin verlangt im Auswahlverfahren die Voraussetzungen nach G 26.3, München nennt G 26.3 zusammen mit der FwDV 300 HH, und die Hamburger FwDV 300 prüft die Atemschutzeignung „in Anlehnung an“ den früheren Grundsatz G 26.3. Mehr dazu liest du im Ratgeber zur G26.3-Untersuchung und im Überblick Atemschutz bei der Feuerwehr.
Training für Treppe, Leiter und Belastung
- Täglich Treppen steigen – keine Aufzüge mehr nutzen
- Wöchentlich 1× Treppentraining mit Rucksack (10 kg → aufbauen auf 25 kg)
- Grundlagenausdauer mit Laufen aufbauen (3× wöchentlich, 30–40 min)
- Beinmuskulatur stärken: Kniebeugen, Ausfallschritte, Beinpresse
- Höhe gewöhnen: wenn möglich unter Aufsicht auf einer gesicherten Leiter üben
Diese Bausteine ergänzen sich: Alltagstreppen schaffen die Gewöhnung, das Rucksacktraining bildet die Zusatzlast nach, Ausdauerläufe verbessern die Herz-Kreislauf-Grundlage und Krafttraining schützt die beanspruchte Beinmuskulatur vor Überlastung. Die Feuerwehr Augsburg empfiehlt Treppenläufe ausdrücklich als Vorbereitung auf ihr Drehleitersteigen. Wer parallel eine reguläre Ausbildung bei der Feuerwehr plant, sollte früh beginnen und nicht erst kurz vor dem Auswahlverfahren, da sich die nötige Kraftausdauer nur über mehrere Wochen aufbaut.
Warum Steigen unter Last so fordernd ist
Für ihre Belastungswerte setzt die FwDV 7 ein Durchschnittsgewicht von 100 kg an – die Einsatzkraft samt Kleidung, Ausrüstung und Atemschutzgerät. Jeder Höhenmeter hebt dieses Gewicht. Deshalb bringen 10 m Steigen in der Tabelle der Vorschrift genauso viel Arbeit wie 100 m auf dem Laufband mit Steigung. Wer Treppe und Leiter gezielt trainiert, bereitet sich also nicht nur auf einen Test vor, den es im Auswahlverfahren nur bei einzelnen Wehren gibt, sondern auf eine Belastung, die im Dienst jedes Jahr geprüft wird.
Trainingsprogramm: 6 Wochen für Treppe und Leiter
Das folgende Schema baut die Belastung über sechs Wochen schrittweise auf – von reinem Grundlagentraining bis zu einer Simulation mit Zusatzgewicht. Es ist ein Trainingsvorschlag, keine Vorgabe einer Wehr. Wer schon Lauf- oder Fitnesserfahrung mitbringt, kann einzelne Wochen anpassen, sollte aber den Aufbau (steigendes Gewicht, steigende Dauer) beibehalten, um Überlastungen zu vermeiden.
| Woche | Übung 1 | Übung 2 | Ziel |
|---|---|---|---|
| 1–2 | 3×5 Min Treppensteigen (Normaltempo) | 30 Min Radfahren | Grundlage |
| 3–4 | 4×5 Min Treppe mit 5 kg Rucksack | HIIT: 5×1 Min Sprints | Kraftausdauer |
| 5 | 10 Min Treppe mit 10 kg Rucksack | Dauerlauf (30–40 Min) | Simulation |
| 6 | Simulation mit Zusatzgewicht (15 kg, 6 Stockwerke) | Regeneration | Formcheck |
Wie stehst du im Sporttest deiner Wunschstadt da?
Im Sporttest-Check wählst du Hamburg, München, Köln oder Berlin, trägst deine Werte ein und vergleichst sie mit den offiziell veröffentlichten Anforderungen – für andere Städte gibt es eine Checkliste.
Häufige Fragen zu Treppentest und Belastungsübung
Gibt es bei der Berufsfeuerwehr einen Treppentest?
Bei einzelnen Wehren ja: Frankfurt am Main lässt dich ein Schlauchpaket in höchstens 1:15 Minuten ins siebte Obergeschoss tragen. Bei Berlin, Hamburg, München und Köln gehört kein Treppentest dazu (Stand der Karriereseiten: September 2026). Hamburg und München prüfen die Höhe an der Leiter, die Ausdauer testen die vier mit einem 3.000-m-Lauf oder einem Pendellauf, und in Hamburg, München und Köln kommt eine Personenrettung mit einer 75 kg schweren Puppe dazu. Ob deine Wunschwehr einen Treppentest einsetzt, steht in ihrer Ausschreibung.
Was ist die Belastungsübung unter Atemschutz?
Sie steht in der Feuerwehr-Dienstvorschrift 7 „Atemschutz“ und gehört zur Ausbildung und jährlichen Fortbildung, nicht zum Auswahlverfahren. In einer Atemschutz-Übungsanlage musst du mit 1.600 Litern Atemluft eine Arbeit von 80 kJ leisten, ab dem 50. Lebensjahr 60 kJ – an Geräten wie Endlosleiter, Laufband oder Fahrradergometer und auf einer Orientierungsstrecke.
Kann ich Treppe und Leiter ohne Sportgerät trainieren?
Ja – Treppenhäuser in Wohngebäuden eignen sich gut. 5–8 Stockwerke mehrfach hintereinander, später mit Rucksack und langsam steigendem Gewicht, sind ein solides Training. Ein Stepper im Fitnessstudio ahmt die Bewegung nach, echtes Treppensteigen ist aber näher an der Praxis. Die Feuerwehr Augsburg nennt Treppenläufe sogar ausdrücklich als Vorbereitung auf ihr Drehleitersteigen.
Was passiert, wenn ich die Belastungsübung nicht schaffe?
Nach der FwDV 7 wird die Übung zunächst wiederholt. Klappt es auch dann nicht, ist eine erneute arbeitsmedizinische Untersuchung vorgeschrieben, danach folgt die Übung noch einmal. Liegen zwischen der ersten Übung und der Wiederholung mehr als zwölf Monate, musst du die gesamte Ausbildung zum Atemschutzgeräteträger wiederholen.
Gibt es Altersgrenzen?
Für die Bewerbung ja, und sie unterscheiden sich stark: München nennt 43 Jahre (112 Klassisch) bzw. 40 Jahre (112 Direkt Notfall), Köln 40 Jahre und sechs Monate am Tag der Einstellung. In der Belastungsübung nach FwDV 7 sinkt die geforderte Arbeit ab dem 50. Lebensjahr von 80 auf 60 kJ.
Wie viel Gewicht sollte ich beim Training tragen?
Eine Kilozahl nennt keine der geprüften Wehren: Berlin, Hamburg, München und Köln haben keinen Treppentest, und Frankfurt beschreibt Schlauchpaket und Pressluftatmer ohne Gewichtsangabe. Steigere das Rucksackgewicht deshalb schrittweise, etwa von 10 auf 25 kg, und achte auf saubere Technik. Nutzt deine Wehr einen Treppentest, nimm das dort genannte Gewicht als Ziel.
Weitere Ratgeber rund um Bewerbung, Ausbildung und Auswahlverfahren findest du im Feuerwehr-Magazin.
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